Lebenszyklus der Schmetterlinge

Alle Schmetterlinge machen in ihrem Leben vier Entwicklungsstadien durch: Ei oder Ovum, Raupe oder Larve, Puppe oder Chrysalis und vollentwickeltes Insekt oder Imago. Dass die Falter ein Puppenstadium durchlaufen, zeichnet sie vor anderen Insekten aus, die in ihren Jugendstadien wie kleine Erwachsene aussehen. Die Metamorphose der Falter wird daher im Gegensatz zu anderen Insekten mit vollständiger Metamorphose als vollständig bezeichnet.

In gemäßigten Klimazonen wird der typische Lebenszyklus von Faltern einmal im Jahr vollendet, und man spricht dann von einer einzigen Generation. Bei manchen Arten kommen auch zwei Generationen recht häufig vor, aber fünf oder sechs pro Jahr sind ungewöhnlich.

Kaltes Winterwetter verlangsamt die Entwicklung der Schmetterlinge, sie haben deshalb viele Überlebensstrategien entwickelt. Einige Arten überwintern als Falter, andere als Eier, Jungraupen oder Puppen. Alle Insekten, in welchem Entwicklungsstadium auch immer, verfügen über Möglichkeiten, auch strenge Kälte zu überstehen. Die vollentwickelten Falter fallen einfach in eine Winterstarre, das heißt sie verbrennen wenig Energie und fressen nicht. Es ist bekannt, dass man im Blut einiger arktischer Falterarten Glycerol und Sorbitol gefunden hat, das wie ein natürlicher Frostschutz wirkt und ihnen hilft, gelegentliche Kälteeinbrüche wie Schnee und Hagel während des kurzen Sommers zu überstehen.

Auch die Hitze kann für die Entwicklung der Falter zum Problem werden, obwohl das nicht häufig vorkommt. Falter in tropischen Gegenden überwintern nicht, aber auch sie können saisonale Ruhephasen einlegen, meistens während der Trockenperiode. Dies kann ein Sommerschlaf sein, eine Art Durchhaltephase im Sommer, wenn der Falter während der heißesten und trockensten Jahreszeit ruht. Nicht nur die Falter tropischer Gebiete halten Sommerschlaf, einige Arten der gemäßigten Breiten tun dies ebenso. Auch das Große Ochsenauge (Maniola jurtina) in Mittelitalien ruht während der heißen Sommermonate.

Die Regenwaldfalter leben jedoch völlig im Einklang mit ihrer natürlichen Umgebung, in dem es keine nennenswerten saisonalen Wechsel gibt. Ihr Lebenszyklus läuft gleichmäßig von einer Generation zur nächsten; so kann es pro Jahr mehrere Generationen geben, aber keine besondere Ruheperiode. Auf dem Gebiet der Populationsbiologie gilt es noch viel zu erforschen. Vermutlich haben die Falter der Gattung Taygetis in Süd- und Mittelamerika Ruhephasen und leben einige Monate. Und auch die Jungraupen des in Mexiko lebenden Speyeria nopkomis könnten während der Dürreperiode in eine Art Sommerstarre verfallen.

Lebensspanne der erwachsenen Falter

Falter, die in eine Sommer- oder Winterstarre verfallen, können bis zu zehn Monate lang leben. Falter, die während des Sommers aus der Puppe schlüpfen und zu einer Art mit mehreren Generationen pro Jahr gehören, leben nur zwischen einer und vier Wochen lang.

Der Lebenszyklus eines Schmetterlings sieht vor, dass Männchen und Weibchen sich finden, balzen, sich paaren, ihre Eier ablegen und so für Nachkommen sorgen. Im Normalfall sucht das Männchen das Weibchen, wobei ihm die kräftigen Duftstoffe und die typischen Farben des Weibchens helfen. Oft sind die Geschlechter unterschiedlich gefärbt; die Männchen meist leuchtender, die Weibchen meist matter und dunkler. Das größere Weibchen hat häufig abgerundete Vorderflügel. Die größere Flügeloberfläche bietet größeren Luftwiderstand. Außerdem besitzt es einen großen Hinterleib, der wegen der Eier anschwillt. Die leuchtenden Farben der Männchen dienen der Paarungswahl der Weibchen, dem Wettbewerb mit anderen Männchen und als Abwehrmittel gegen Feinde.

Eiablage

Nach der Paarung, die rund eine Stunde dauern kann, legt das Weibchen seine Eier ab. Es muß dazu die richtige Futterpflanze für die Raupen finden und sucht die Vegetation sorgfältig mit Seh- und Riechorganen ab. In den meisten Fällen legt das Weibchen seine Eier an der richtigen Futterpflanze ab – vermutlich die einzige Form elterlicher Fürsorge bei Faltern. Bei einigen Arten jedoch lässt es die Eier einfach im Flug fallen, meist über harten Gräsern. Der feurige Perlmuttfalter (Argynnis adippe) legt seine Eier in der Nähe von Veilchen, seiner Futterpflanze, an einem Baumstamm ab und zwingt so die Raupe, bis zu ihrem Futter zu laufen. Die Eier variieren je nach Art und Form und Größe und liefern manchmal wertvolle Hinweise zur Bestimmung. Sie können hoch sein (bis 4 mm), rund, gebändert, gelb, weiß oder blau, doch dunkeln sie mit fortschreitendem Alter und Entwicklungsstand der Raupe nach. Das Weibchen kann 200-500 Eier legen. Diese werden oft an die Blattunterseiten oder an die Stängel geheftet, einzeln oder in Haufen, doch immer fest mit der Oberfläche verklebt, so dass sie nicht abfallen können. Sie können chemisch mit Pigmenten geschützt sein oder physikalisch mit Hinterleibschuppen des Weibchens. Es nützt der Art, wenn das Weibchen seine Eier über ein weites Gebiet verteilen kann, weil dann nicht so heftig um die verfügbaren Futterpflanzen gekämpft werden muss.

Das Raupenstadium

Die frisch dem Ei entschlüpfte Larve nennt man Jungraupe oder erste Raupenkleid. Manche Arten fressen die Eihülle, andere nicht. Eihüllen enthalten im allgemeinen wichtige Nährstoffe, die von der Raupe verwertet werden können. Auch können sie nützliche Substanzen zur Abschreckung von Feinden enthalten.

Wenn die Raupe wächst, streift sie ihre alte Haut in einem Häutungsprozess ab. Das tut sie für gewöhnlich insgesamt fünf mal, obwohl es bei einigen tropischen Nymphaliden-Arten Südamerikas zwischen vier und sieben variieren kann. Die Außenhaut der Raupe ist sehr zäh, aber nachdem sie die alte Haut abgestoßen hat, ist die darrunterliegende neue noch für kurze Zeit weich. Bis die neue Haut ausgehärtet ist, reckt und streckt die Raupe sich – und verbringt die folgende Zeit damit, den neu gewonnenen Platz aufzufüllen, bis die Hülle für eine weitere Häutung aufplatzt. Jede Entwicklungsstufe entspricht einem Raupenkleid, bei den meisten Raupen gibt es also fünf Raupenkleider.

Die Zeitspanne, welche die Raupe vom ersten bis zum letzten Entwicklungsstadium benötigt, variiert von drei bis sechs Wochen. In Arktis und Tundra beheimatete Raupen, die wegen der kurzen Vegetationsperioden zwei Sommer benötigen, um ihre Entwicklung zu beenden, könne dann bis zu 18 Monaten alt sein. Raupen, die in gemäßigten Zonen überwintern, verbringen bis zu nein Monaten im Larvenstadium.

Wenn die Raupe im fünften Raupenkleid (nach der vierten Häutung) völlig ausgewachsen ist, hört sie plötzlich auf zu fressen und beginnt eine Art Wanderung. Sie wandert ohne viel Rücksicht auf sich selbst so lange, bis sie einen geeigneten Platz zum Verpuppen gefunden hat. In dieser Wanderphase verliert sie jegliche Farbenpracht und nimmt einen düsteren Farbton an. So fällt die Raupe weiniger auf, wenn sie über wechselnden Untergrund läuft. Während der Wanderung kann man Raupen als Naturkundiger jedoch leicht entdecken, besonders wenn sie über Strassen oder an Wänden hochlaufen.

Hat die Raupe einen Platz zum Verpuppen  gefunden, heftet sie sich dort an und hängt still, bis sich die Puppenhülle unter der Raupenhaut ausgebildet hat. Dann streift sie die alte Raupenhaut ab (5. Häutung) und hängt nun als Puppe an der Anheftungsstelle.