Mimikry

Nachahmung von Körperbau- und Verhaltensmerkmalen einer Spezies durch eine andere zu deren Vorteil oder manchmal auch zum Nutzen beider Arten. Manche Arten wehrloser Fliegen schützen sich beispielsweise vor räuberischen Vögeln, indem sie die gelb-schwarze Körperzeichnung stechender Insekten nachahmen. Die Art, deren Eigenschaften nachgeahmt werden, ist meist in großer Individuenzahl vertreten, so dass ihre Wehrhaftigkeit vielen natürlichen Feinden des betreffenden Gebiets bekannt ist. Anstatt sich also vor Fressfeinden zu tarnen, zeigen Lebewesen, die Mimikry einsetzen, die gleichen offenkundigen Warnzeichen oder ein ähnliches Verhalten wie gefährliche Arten.

Mimikry wurde 1862 von dem britischen Naturforscher Henry Walter Bates entdeckt. Er fand im brasilianischen Urwald zwei Familien ähnlich gezeichneter, aber nicht verwandter Schmetterlinge. Nachdem er festgestellt hatte, dass eine der beiden Familien für Vögel giftig war, lieferte er eine einleuchtende Erklärung: Die fressbaren Schmetterlinge waren geschützt, weil sie in der Evolution ähnliche Warnzeichen entwickelt hatten. An diesem Mechanismus, Batessche Mimikry genannt, zeigt sich das Prinzip der natürlichen Selektion, das Charles Darwin formulierte. Danach erzeugen die Vögel einen Selektionsdruck, indem sie genießbare Schmetterlinge ausmerzen, die den giftigen Arten weniger ähneln. Eine andere Art der Mimikry, Müllersche Mimikry genannt, findet man vor allem bei Insektenarten, die alle gleichermaßen giftig sind und als Schutz ähnliche Zeichnungen entwickelt haben: So braucht nicht jede Insektenart eigene Warnzeichen zu entwickeln und viele Artgenossen zu opfern, bis die Vögel lernen, sie zu meiden: Mehrere Arten besitzen das gleiche abschreckende Muster, so dass Vögel, die mit diesem Muster einmal negative Erfahrungen gemacht haben, die ganze Gruppe meiden.

Mimikry kommt bei einer sehr großen Zahl verschiedener Tiere und Pflanzen vor, beispielsweise bei Orchideen, die Insekten anlocken, indem ihre Blüten die Gestalt von Insektenweibchen nachahmen, aber auch bei Vögeln und Fischen.